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Public Viewing - mal ganz persönlich 
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Wohnort: Beucha
Public Viewing - mal ganz persönlich
Nein, mit Fußball hat das hier rein gar nichts zu tun. Es geht um meine Mitmenschen – speziell um die holde Weiblichkeit. So oft ertappe ich mich beim Klischeedenken, auch wenn ich mich ja sonst so dagegen wehre. Aber *zack* ist dann ein Eindruck da. Und ich erliege ihm.

Es geht schlicht um die vermeintlich kleinen, oberflächlich betrachteten, scheinbar bedeutungslosen Dinge und Beobachtungen aus dem Alltag. Und doch können sie so viel über einen Menschen aussagen.

Wenn ich ein Design-Produkt entwerfen müsste, dann wäre das Ergebnis nur eins, das meinem ganz persönlichen Geschmack entspricht. Ich könnte gar kein Produkt entwerfen, das reißenden Absatz fände, aber meiner Meinung nach grottenhässlich ist. Wenn mein Produkt dann aber nur von einem einzigen Kunden gekauft würde, dann wäre das Kunst – brotlose Kunst. Deshalb sind in vielen Marketingabteilungen sicherlich Entscheider gefragt, die einen Sinn für die Masse haben. Menschen, die ihren eigenen Geschmack hinter den betrieblichen Erfolg stellen können. Oder Leute, die immer auch den Geschmack der Masse haben. Warum sonst begegnen uns tagtäglich irgendwelche Geschmacksverirrungen?

Sie begegnen uns in erster Linie auf der Straße: Am Handgelenk, auf dem Kopf, an den Füßen, Beinen oder Hälsen unserer Mitmenschen. Ergo: Das Produkt oder die Dienstleistung wurde von jemandem für gut befunden und eingekauft. Für die “Marketingler” schon mal ein Erfolg. Und da die Produkt- und Dienstleistungspalette für Frauen ungleich breiter ist als die für das andere Geschlecht, ist hier auch die Auslasspalette entsprechend einladender.

Oft sind es ja gar nicht die Produkte selbst, sondern die Art, wie und wo sie eingesetzt werden, oder auch die Kombination verschiedener Produkte. So werde ich es nie verstehen, wie Seidenstrümpfe in Kombination mit offenen Schuhen getragen werden können. Oder Elfen- und Delfin-Abziehbildchen als Tattoo. Wenn wir schon beim Thema sind: Irgendwann werden sich die Altenpfleger fragen, was das eine oder andere Kunstwerk seinerzeit wohl mal zu bedeuten hatte. Und ich frage mich, bei wie vielen Frauen mit chinesischen Zeichen das Wort “Putzfrau” in die Haut eingeritzt wurde.

In der Disco: Ich stehe am Rand der Tanzfläche und schaue mir das Gehopse an. Ja genau, ich bin einer von denen, die nie tanzen und trotzdem mal in die Disse gehen. Aber ich versuche, dabei cool auszusehen. Das Glas also immer in Hüft- und nie in Brusthöhe. Ich sehe Frauen in den Mittvierzigern, die frisch geschieden sind und jetzt ihr Leben auskosten wollen. Dafür müssen sie scheinbar die Klamöttchen ihrer 15-jährigen Tochter auftragen. Und als Handtasche reicht auch ein Mini-Rucksack aus. Damit lässt es sich besser tanzen. Die Jeans ist dabei natürlich bis über den Bauchnabel gezogen.

Ich stehe beim Discounter an der Kasse und beobachte das Getippsel der Kassiererin. Komisch. Ihre Fingerkuppen berühren die Tasten gar nicht. Sie erledigt alles mit ihren französischen Schaufeln. Und dabei gleicht kein Nagel dem anderen. Glitter, Lametta, Ranken und sogar ein Piercing. Hmm. Leicht unvorteilhaft. Müssen die nicht auch Kartons aufreißen und Regale einräumen? Und an jedem Finger hat sie einen Ring. Am Daumen auch.

Ich lerne eine Frau kennen. Wir sitzen uns gegenüber, als ihr Handy klingelt. Sie zieht es aus ihrer Handtasche und nimmt den Anruf entgegen. Die Bommel, die an ihrem Handy herunter hängen, verdecken ihr Gesicht. Sie erzählt ihrer Freundin, dass sie mittags Zuschschini zubereitet habe. Und sie würde nun vor einem Latte Matschiato sitzen. Sie hat schmale Lippen. Aber das kümmert den Lippenstift wohl nicht. Natürliche Grenzen ignoriert er scheinbar gnadenlos. Und dann wurden mit einem dunkleren Farbton neue Grenzen gezogen… weiter zur Nase hin, weiter zum Kinn. Sie beendet das Gespräch und lehnt sich zurück, indem sie dabei die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Ich frage mich dabei, ob Achselhaare Schweißgeruch fördern oder hemmen.

Nach unserem gemeinsamen Kaffee will sie mich noch zum Auto fahren. Ihres sei gleich um die Ecke. Den Parkplatz habe sie sich vom Universum gewünscht. Und das würde fast immer klappen. Wir steigen in ihr Auto: Ein einziger Friedhof der Kuscheltiere. Eins davon baumelt an ihrem Schlüsselanhänger. Als wir losfahren und sie die Pedale betätigt, erhasche ich einen Blick auf ihre Füße. Sie trägt kurze Seidensöckchen. Immerhin schwarze zu schwarzen Schuhen.

Wir fahren an einer Kirche vorbei. Sie fragt mich, ob ich gläubig sei. Ich bejahe. Sie selbst habe ja mit alledem nichts am Hut. Sie sei Realistin. Am Innenspiegel hängt der Heilige Christopherus.

Wir erreichen das Ziel. Ich verabschiede mich freundlich, setze mich in mein Auto und atme tief durch. Die Frau ist für mich eine wandelnde No-Go-Area. Und ich stelle mir vor, was noch hätte sein können, was schlimmer gewesen wäre oder noch mehr über sie ausgesagt hätte.

Ich lasse meiner Phantasie freien Lauf:

* Sie trägt Tennissocken in Overknees.
* Sie trinkt Bier aus Dosen und Flaschen.
* Sie räumt bei McDonald´s ihr Tablett nicht weg.
* Sie sagt “Hä?” anstatt “Wie bitte?”
* Sie schminkt sich, bevor sie zu Bett geht.
* Sie zieht noch schnell an der Zigarette, bevor sie mich küsst…
* Sie frühstückt am liebsten zusammen mit ihren sieben Katzen an einem Tisch.
* Sie trägt bauchfrei, obwohl sie nicht bauchfrei ist.
* Sie schnallt sich im Auto nicht an.
* Sie geht bei Rot über die Fußgängerampel, obwohl Kinder in der Nähe sind.
* Sie kann mir nicht in die Augen sehen.
* Sie hat kein schlechtes Gewissen, wenn der Kellner sich zu ihren Gunsten verrechnet.
* Sie geht nicht wählen.
* Auf ihrem Top steht in Silber- oder Goldbuchstaben “Zicke” oder “Don´t touch!” geschrieben.
* Ihr Butterbrot isst sie mit Messer und Gabel.
* Sie verbringt jeden Urlaub auf Mallorca.
* Sie hat eine Kundenkarte vom Sonnenstudio.
* In ihrer Wohnung ist es kalt, weil sie angeblich den CO2-Ausstoß mindern will.
* Sie isst nur noch Nudeln, weil sie unbedingt die neueste Seven-Jeans haben muss.

Alles sehr subjektiv? Richtig.


29.10.2008
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Patrone
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Registriert: 21.07.2004

Beiträge: 800
Wohnort: S-A
Re: Public Viewing - mal ganz persönlich
Reflektion in Spiegelbild....

Ich lasse meiner Phantasie freien Lauf:

* Er trägt weiße Tennissocken in schwarzen Lederschuhen.
* Er trinkt Rotwein aus Flaschen
* Er läßt sie bei McDonald´s das Tablett wegräumen
* Er sagt “Wat willst?” anstatt “Wie bitte?”

* Sie schminkt sich, bevor sie zu Bett geht.*kurz mal einräum, das des nix schlimmes ist, wenn man sich auch bzgl. des Restes für IHN aufbrezelt, wie sieht denn das aus..Overknees, halterlose Strümpfe, Lack und Leder...und dazu ungemachte Haare samt nicht geschminktem Gesicht? :zwinker: *

Okay, weiter im Text

* Er wäscht sich nicht, bevor er ins Bett geht.
* Er raucht nochmal schnell eine, vorher....
* Er frühstückt am liebsten zusammen mit einem vollen Aschenbecher und Altmüll des Vorabends an einem Tisch.
* Er trägt einen Tanga :erstaunt:
* Er fährt mit quietschenden Reifen an
* Er steht bei Rot an der Fußgängerampel und imitiert dabei das Ampelmännchen :kugeln:
* Er kann mir beim "ich liebe Dich" sagen nicht in die Augen sehen.
* Er hat kein schlechtes Gewissen, wenn die Straßenschwalbe in Mathe eine 5 hatte und sich zu seinen Gunsten verrechnet.
* Er geht nicht nur nicht wählen, sondern denkt, das Kohl immer noch der Bundeskanzler ist.
* Auf seinem Shirt steht in Fettschrift "Bier formte diesen wunderschönen Körper"
* Er weiß gar nicht wofür Messer und Gabel da sind
* Er verbringt jeden Urlaub in Thailand...allein
* Er hat eine Kundenkarte vom Sonnenstudio mit anliegendem Fitnesscenter
* In seiner Wohnung müffelt es, weil er nie weiß, wo er seine Schweißsocken ausgezogen hat und dementsprechend nicht wieder findet
* Er will, das sie nur noch Nudeln isst, weil er die erträumte Dessouswäsche 3 Nummer zu klein gekauft hat

Alles sehr subjektiv? Richtig.

*duckundwechrenn*


29.10.2008
Profil ICQ YIM
Re: Public Viewing - mal ganz persönlich
:daumenhoch: :biglaugh: :biglaugh: :biglaugh:

:taetschel: :zwinker:


31.10.2008
Re: Public Viewing - mal ganz persönlich
:daumenhoch: Voll meiner Vorgäbngerin zustimm :daumenhoch: :biglaugh: :respekt:


11.11.2008
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