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Papa - woher kommt das Leben? 
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Papa - woher kommt das Leben?
„Papa, sag´ mal, woher kommt das Leben?“
„Wie meinst du das?“

„Na irgendwann muss das doch angefangen haben, oder gab es das schon immer?“
Hmm…das ist schwierig. Also auf der Erde gab es nicht immer Leben. Verglichen mit anderen Planeten ist die Erde auch gar nicht so alt.“

„Aber woher kommt denn das Leben?“
Na, da gibt es zwei unterschiedliche Ideen. Die einen sagen, dass es irgendwann mal einen Urknall gab…“

„Einen Knall?“
„Ob da nun wirklich ein Knall war, das weiß man nicht so genau, weil es schon ganz lange her ist. Auf jeden Fall ist etwas passiert und danach gab es winzige Teilchen, die im All herumgeflogen sind- so ähnlich wie deine Bausteine, die hier im Zimmer herumliegen. Hin und wieder sind einige dieser Bausteine zusammengeprallt und aneinander kleben geblieben. Wenn sich ganz viele dieser Bausteine zusammengeklumpt haben, dann ist aus denen ein Planet geworden, oder ein Komet.“

„Aber Planeten leben doch nicht. Woher kommt dann das Leben?“
„Naja, es ist halt wohl auf der Erde irgendwann mal passiert, dass einige dieser winzigen Bauteile zusammengekommen sind, die dann miteinander reagiert haben.“

„Reagiert? Das verstehe ich nicht!“
„Nimm mal dieses Spielzeugauto hier. Das lebt ja anscheinend nicht. Und dann diesen Magneten hier. Der lebt auch nicht. Legst du die beiden nebeneinander, dann zieht der Magnet das Auto an. Diese beiden Sachen reagieren miteinander, obwohl sie nicht leben. Aber irgendwann sind mal Teile zusammengekommen, die auf eine andere Art und Weise miteinander reagiert haben und diese Reaktion nennt man Leben.“

„Aber ein Baum sieht doch ganz anders aus, als ein Mensch und beide leben doch, oder?“
„Ja, das ist richtig. Aber am Anfang gab es wohl nur ein einziges Lebewesen, eine einzige Urzelle aus der alle anderen Lebewesen entstanden sind.“

„Wie denn das?“
„Also winzige und einfache Lebewesen wie Einzeller sind wohl immer wieder entstanden und wieder vergangen. Irgendwann hat sich ein Lebewesen, die Urzelle, mal geteilt, so dass es zwei gleiche Lebewesen gab und die haben sich dann wieder jeweils einmal geteilt, so dass es dann immer mehr von diesen gleichen Lebewesen gab.“

„Aber dann sähe ja alles Leben gleich aus, oder? Und dann gibt es ja immer mehr und immer mehr davon.“
„Wieder richtig. Nimm mal deine Bauklötze hier. Die sind wie die einzelnen Teile, die herumgeschwirrt sind. Legst du aber zwei Bauklötze übereinander, dann sind sie nicht mehr einzelne Teile, sondern ein Bauwerk, zum Beispiel ein kleiner Turm. Das wäre dann die Urzelle. Jetzt kann man den Turm kopieren, das heißt aus den gleichen Teilen den Turm nachbauen. Dazu teilt sich also jeder Bauklotz genau einmal, so dass du jetzt insgesamt vier gelbe Bauklötze hast. Wenn die sich teilen, dann hast du zwei gelbe Türme, die genau gleich aussehen. Das ist das Kopieren, oder die Teilung.“

„Aber die sind dann doch immer noch gleich.“
„Ja, lass mich weitererzählen. Manchmal ist es vorgekommen, dass ein neues von den vielen rumschwirrenden Teilchen oder besser- einer von den herumliegenden Bauklötzen hier auf einen gelben Turm geprallt ist. Mal ist nichts passiert, mal ist ein Turm umgefallen und vielleicht ist irgendwann mal ein anderer Baustein genau auf dem gelben Turm gelandet. Zum Beispiel so ein grüner hier und schon gab es ganz viele Türme aus zwei gelben Bauklötzen aber auch einen aus zwei gelben und einem grünen Bauklotz, also verschiedene Türme.“

„Und warum gibt es dann nicht immer und immer mehr Türme?“
„Das liegt daran, dass die Kraft, die die Bauteile zusammenhält irgendwann mal verschwindet. Zwei Klötze halten nicht mehr zusammen und fallen wieder auseinander. Das nennt man bei Lebewesen das Sterben. Weil alle Türme irgendwann mal wieder zusammenfallen, zum Beispiel wenn du mal wieder einen Ball da durchrollen lässt, bleibt die Zahl der Bauklötze immer gleich, aber mal hast du mehr und mal weniger Türme stehen. Auf jeden Fall gab es dann irgendwann ganz viele unterschiedliche Türme mit unterschiedlich vielen Farben und Teilen. Einige sind umgefallen, andere blieben stehen. Die haben sich dann immer weiter geteilt. Jeder Turm hat einen Bauplan und nach genau diesem Bauplan entstand durch das Teilen ein zweiter Turm, der genau gleich aussah.“

„Aber wenn es immer nur Türme gibt, die sich teilen, dann gibt es doch viele bunte Türme, die vielleicht mal größer sind und mal kleiner, aber eben nur Türme.“
„Wieder richtig! Aber wo viel gearbeitet wird, da passieren Fehler. Zum Beispiel ein Fehler im Bauplan, weil der Bauplanzeichner sich verschreibt. Oder es wird ein Turm zu schnell gebaut, und ein Baustein wird vergessen oder an der falschen Stelle eingesetzt und so entsteht dann ein anderes Bauwerk- zwar aus den gleichen Bausteinen, aber es sieht anders aus. Zum Beispiel zwei Steine unten und nur einer oben.“

„Oder es fällt wieder ein Baustein vom Himmel drauf?“
„Genau, das habe ich vergessen, das kann auch immer wieder passieren, solange noch unverbaute Bausteine herumliegen oder herumfliegen. Die Veränderung des Aussehens vom Original zu seinem Nachbau nennt man bei Lebewesen Evolution. Man kann aus den blauen, gelben, grünen und roten Klötzen ganz unterschiedliche Türme zusammenbauen. Oder eben aus den Bausteinen des Lebens ganz unterschiedliche Lebewesen.“

„Aber dann verstehe ich nicht, warum es nicht viel mehr unterschiedliche Lebewesen gibt. Warum gibt es denn zum Beispiel keine grünen Menschen?“
„Hmmm, du willst es aber genau wissen. Mal überlegen! Also, wenn du zum Beispiel einen Turm baust, der nur einen kleinen Klotz unten hat aber zwei große Klötze, die darauf liegen und daneben steht ein Turm, der hat zwei große Klötze unten und nur einen kleinen Klotz oben, dann ist der eine stabiler als der andere.“

„Echt?“
„Probiere es aus! Also ein Turm mit einem kleinen Klotz unten und mit zwei großen Klötzen oben drauf und daneben einen mit zwei großen Klötzen unten und nur einem kleinen Klotz oben. So- gut. Und jetzt puste mal kräftig- was passiert?“

„Der eine Turm fällt um!“
„Genau, der eine Turm fällt um und der andere bleibt stehen, obwohl beiden Türmen das gleiche passiert ist. Und genau das passiert auch mit dem Leben. Wenn auf zwei Lebewesen mit unterschiedlichen Bauplänen die gleiche Kraft einwirkt, dann kann es passieren, dass die Kraft das eine Lebewesen zerstört, während das andere überlebt. Man nennt das beim Leben „Selektion“, das heißt auf Deutsch „Auswahl“.

„Und darum gibt es keine grünen Menschen, oder rosa Elefanten?“
„Genau. Die Kraft, die beim rosa Elefanten zum Beispiel einwirken könnte, wären Raubtiere. Ein grauer Elefant ist gut getarnt. Steht der neben einem grauen Felsen, dann kann ein hungriger Löwe den nicht sehen. Einen rosa Elefanten vor einem grauen Felsen aber würde wohl kaum ein hungriger Löwe übersehen. Das heißt es könnte durchaus mal ein rosa Elefant geboren werden, aber die Auswahl, die hungrigen Löwen würde verhindern, dass er sich durchsetzt und es mehr und mehr rosa Elefanten gäbe.
Genauso gut kann es aber sein, dass mal ein Elefant geboren wird, der kleinere Ohren hat als der Vorgänger aus dem er entstanden ist. Ob der sich jetzt durchsetzt hängt davon ab, wo er geboren wird. Wird er zum Beispiel in Afrika geboren, dann sorgt die Hitze dafür, dass unser Kleinohrelefant es ziemlich schwer hätte, weil Elefanten ihr Blut in ihren Ohren abkühlen. Kleine Ohren bedeuten dann wenig Abkühlung und unserem Kleinohrelefanten würde ganz schön heiß werden. Wird der Kleinohrelefant aber in Indien geboren, dann können kleinere Ohren sogar gut sein. In Indien ist es nämlich nicht so heiß wie in Afrika, also spielt die Größe der Ohren zum Abkühlen keine so große Rolle. Dafür gibt es in Indien viele Bäume und unser Kleinohrelefant würde nicht so oft mit seinen Ohren in den Ästen hängen bleiben. In Indien wären also kleine Ohren gar nicht so verkehrt. Deshalb gibt es zwar viele unterschiedliche Lebewesen, aber eben nicht unendlich viele unterschiedliche Lebewesen und manchmal gibt es Lebewesen, die nur etwas anders aussehen, als ihr Verwandten.

„Aber du hast gesagt, es gäbe zwei Erklärungen. Was ist denn die zweite?“
„Gut aufgepasst! Erinnerst du dich an die vielen kleinen Teilchen, von denen ich dir erzählt habe? Viele Menschen wollen nicht glauben, dass es ein purer Zufall war, der die ersten Teilchen zusammenprallen lassen hat. Sie glauben, dass ein so schönes Lebewesen wie eine Rose oder ein Mensch nicht durch Zufall entstanden sein kann. Sie sagen auch, dass es nicht sein kann, dass so unterschiedliche Lebewesen wie eine Brennesel und ein Blauwal irgendwann mal aus derselben Urzelle entstanden sein können. Sie glauben, dass es einen Gott gibt, einen Schöpfer oder Ideengeber, der sich all das Leben ausgedacht hat. Gott wollte etwas Schönes schaffen und hat dann zuerst das Licht und dann die Erde und die Sterne und dann die Pflanzen und dann die Tiere und dann -als sein Meisterwerk- den Menschen gemacht. Und wenn es ihm gefällt, dann schafft er etwas Neues und wenn ihm etwas nicht gefällt, dann zerstört er es wieder.“

„Aber wie hat Gott das alles gemacht?“
„Das weiß man nicht- genauso wenig, wie man weiß, wie genau und warum nach der anderen Erklärung die ersten Teilchen zusammengeprallt sind und warum sie dann miteinander reagiert haben.“

„Und wer hat nun Recht, Papa?“
„Das wird man wohl nie herausbekommen. Vielleicht meinen beide Erklärungen ja das gleiche. Ob man die Entstehung des Lebens nun „Schöpfung“ oder „Urknall“ nennt ist letztlich doch egal. Es meint dasselbe, die Entstehung des Lebens. Der einzige Unterschied ist, ob man die Entstehung des Lebens einen Zufall nennt, oder ob es der Wille Gottes gewesen ist. Und weil man niemals herausbekommen wird, ob es wirklich keine Zufälle oder wirklich keinen Gott gibt, kann jeder selber entscheiden, was er glauben möchte.


08.10.2010
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